Peter Zauner und Michael Lahnsteiner mit ihrem Trainer Yan Yujiang. Beide trainieren seit ihrer Jugendzeit mit Yan.
Peter Zauner beim Interview
Lange hats keinen österreichischen Turniersieg gegeben! Michael und Peter bei der Siegerehrung.
Coaching: Am Netz hinunterspielen - war ein Teil des Erfolgsrezeptes.
Service beim Matchball: Michi Lahnsteiner laßt sich den EBC-Sieg bei 20:12 im zweiten Satz nicht mehr nehmen.

EBC-Turniersieg in Slowenien

26. 5. 2008

Peter Zauner im Interview

Peter Zauner gewinnt mit Michael Lahnsteiner den Doppelbewerb des EBC-Turniers in Slowenien. Nach diesem Sieg stellten wir Peter einige Fragen über das Turnier und über seine Art zu trainieren.

Peter Zauner, gratuliere zum Turniersieg in Slowenien. Dein erster
Turniersieg war es ja nicht, oder?


Danke. Nein es war insgesamt mein 4. Titel bei einem internationalen Turnier. Aber seit meinem letzten Turniersieg bei den Austrian International
2006 sind 2 Jahre vergangen, da mich 2 Knieverletzungen zurückgeworfen haben.


Wer waren die schwersten Gegner in Slowenien?

Das waren die Bulgaren Metodiev/Yankov in der 2. Runde. Das Ergebnis schaut mit 21:19 und 21:13 zwar recht deutlich aus, doch das Spiel war sehr umkämpft. Die beiden haben vor kurzem auch die Rumanian International gewonnen. Wir haben gewusst, dass wir nach dieser Hürde eine gute Chance im weiteren Turnierverlauf haben. Aber das Viertelfinale gegen Havel (POL) und Hong (CHN) war auch nicht einfach. Das waren zwei sehr erfahrene Spieler, gegen die es nicht leicht war.

Das Finale war mit 21:17 und 21:12 relativ klar. Wart Ihr am Anfang nicht nervös?

Waren wir schon, gegen die Tschechen ist es am Anfang sehr schwierig, weil sie sehr hektisch spielen. Doch im Spielverlauf haben wir immer mehr Kontrolle über das Spiel bekommen und der Sieg war eigentlich nie wirklich in Gefahr.

Was war Eure Taktik?

Wie gesagt, wir haben versucht Kontrolle ins Spiel zu bekommen, indem wir uns schnell bewegt haben und versucht haben die Bälle nach unten zu spielen, denn dann machen sie viele Fehler. Das Service war auch sehr wichtig, denn wenn man sehr gut serviert, ist man nicht so sehr von der Spielweise der Gegner abhängig. Im 2. Satz haben wir (vor allem Michi) dann öfters ein hohes Swip-Service gemacht, das ihnen öfters Probleme bereitet hat. Und ich
habe immer versucht die Bälle sehr scharf und flach zu verteilen, damit die Gegner nicht ans Netz kommen können. Dadurch hat Michi immer kurz abwehren können und wir sind nicht mehr so in Bedrängnis gekommen.


Was waren Eure Stärken bzw. worin wart ihr überlegen?

Wir haben eine bessere Abwehr und haben uns auch gut konzentrieren können. Ich glaube wir waren auch schneller als die Gegner und haben viel weniger Eigenfehler gemacht.


Was hat Euch Yan während des Matches gesagt?

Wir sollen uns schnell bewegen und den Ball nach unten spielen. Mir speziell hat er gesagt, dass ich immer sehr hart und flach spielen soll, damit wir das Spiel machen können. Als die Taktik dann aufgegangen ist, hat er uns dann nur mehr gesagt, dass wir einfach gleich weiterspielen sollen. Das finde ich auch gut so, denn wenn alles funktioniert, braucht man nichts ändern und noch irgendeine spezielle Taktik verfolgen. Die Eigenschaft im richtigen Moment auch mal nicht viel zu sagen haben ganz wenige Trainer.


Wie ist das bei so einem Doppel, redet ihr während des Matches miteinander? Interessant wäre da ein Beispiel, was ihr so redet. Oder sagt keiner was?

Wir reden schon miteinander, vor allem in den Pausen, öfters auch zwischen den Ballwechsel, wenn jemandem etwas auffällt. Zu viel sollte man natürlich auch nicht reden, denn man kann nicht jeden Ballwechsel erklären, da geht dann der Spielfluss verloren. Ich habe Michi z.B.: sehr oft gesagt wo ich hinserviere und auf welchen Ball ich beim 3. Schlag aufpasse, damit er die andere Seite abdecken kann. So etwas hilft schon sehr, vor allem wenn das Service dann gut kommt, denn dann ist man gleich nach dem Service im Angriff. Beim Spielbeginn hab ich ihm gesagt, dass unsere Gegner sehr groß und stark aussehen und dass wir (vor allem ich) wahrscheinlich wie Zwerge im Vergleich dazu aussehen.


Kannst Du den Lesern erklären, wie das mit der Olympia-Quali von Simone und Jürgen aussieht? Beide sind ja nach internationalen Kriterien fix dabei.

Ja sie haben die internationalen Kriterien erfüllt. Es gibt aber auch noch spezielle Kriterien vom österreichischen Olympischen Comitee. Dort müssen sie bei 4 ausgewählten Turnieren mindestens das Viertelfinale erreichen. Aber vor allem jetzt, so knapp vor der endgültigen Entscheidung zählt jedes einzelne Turnier. Es ist auch gut wenn sie Spieler mit einem sehr hohen Ranking in der Weltrangliste schlagen. Ich hoffe natürlich, dass es beide schaffen, weil das dem gesamten Badmintonsport in Österreich sehr viel bringen würde.

Ist es für Dich ein Unterschied bei einem EBC-Turnier oder bei einem Nationalen Turnier zu spielen?

Ja natürlich. Die Anspannung ist international viel höher, weil es einfach um mehr geht. Ein großer Unterschied ist auch die Leistungsdichte. In Österreich hat man erst im Halbfinale oder Finale stärkere Gegner. International beginnt das alles schon in der ersten Runde oder sogar schon in der Quali.

Was findest Du, ist für einen Doppelspieler wichtig?

Man muss auf jeden Fall einige Voraussetzungen mitbringen, um wirklich gut Doppel spielen zu können. Was das körperliche betrifft ist es wichtig viel Kraft zu haben und schnell zu sein. Ausdauer wie im Einzel ist nicht ganz so wichtig. Das heißt aber nicht, dass man nicht fit sein muss. Im Doppel ist es eher so, dass man nicht so viel laufen muss, dafür muss man sich ein ganzes Spiel lang schnell bewegen können und hart schlagen können. Mit dem neuen Zählsystem ist es auch wichtig geworden, sich über ein ganzes Spiel lang voll konzentrieren zu können und dazu noch in den entscheidenden Situationen meistens am Ende des Satzes mental stark zu sein. Ich habe deswegen auch mit kinesiologischen Übungen begonnen als Vorbereitung auf die Matches. Bettina Weilguni, die Freundin von Jürgen Koch, ist Kinesiologin und behandelt mich in diese Richtung. Da merke ich auf jeden Fall große Fortschritte. Was die Schlagtechnik betrifft ist die Verteidigung sicher sehr wichtig, weil man sich nicht immer nur auf den Angriff verlassen kann. Die ersten 3 Schläge, Angriff und das flache Spiel sind auch sehr wichtig.

Warum bist du eigentlich Doppelspieler?

Ich erfülle einige dieser Kriterien und nach meinen Knieverletzungen hab ich entschieden, mich mehr auf eine Disziplin zu konzentrieren, da Einzel und Doppel auf internationalem Niveau einfach sehr hart sind. Ich glaube, dass mein Niveau im Doppel höher als im Einzel werden kann. Deswegen Doppel.

Wie oft trainierst Du wöchentlich? Badminton und andere Sachen?

Zur Zeit 4-6x Badminton und 4-5x Fitness in der Woche.

Was ist für Dich wichtig im Hallentraining bzw. wie sieht so eine Hallentraining ungefähr aus?

Ich finde, dass die Qualität wichtiger ist als die Quantität. Deswegen ist es sehr wichtig gute Trainingspartner zu haben und einen Trainer, der auf die Qualität schaut. Einfach nur trainieren ohne mitzudenken bringt einfach nicht so viel. Unser Training sieht meistens so aus: 15 min Aufwärmen - 15 min Aufwärmspiele - 40 min Übungen - 40 min Match-training - 10 min Service Training.

Deine Kollegen sagen, Du kommst fast immer zu spät ins Training? Stimmt das?

Ja leider. Es war zwar schon schlimmer, aber ich möchte in Zukunft wieder versuchen pünktlich im Training zu sein, weil ich weiß, dass das sehr wichtig ist.

Was hast Du am Abend nach Eurem Turniersieg getan?

Wir sind am Nachhauseweg von Slowenien 3x bei Raststationen stehen geblieben und haben ein bisschen gefeiert. Da ich nächste Woche Geburtstag habe, werde ich natürlich unseren Turniersieg auch noch mitfeiern.