Interview mit dem Indonesier Ardy Putra 

11.5.2010 

Ardy Putra beim Interview in der Wohnung.

Ardy Putra spielte vergangene Saison als Nummer-Eins beim Bundesliga-Meister ASKÖ Traun. In Indonesien hatte er eigentlich schon mit dem Training aufgehört. Hier in Österreich hat es ihm sehr gut gefallen, die letzte Zeit war er gemeinsam mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Traun.  Im Interview erzählt er unter anderem über das Training in Indonesien. Die Fragen stellte Harald Koch, alle Fotos sind von Thomas Herndlhofer.

Ardy Putra, wie bist Du überhaupt nach Österreich gekommen? 

Ich war beim Training in Jarum-Badminton-Club und habe dort Jürgen und Peter kennengelernt. Sie haben mir gesagt, dass sie eventuell einen Spieler suchen für die österreichische Liga. Ich fragte, ob meine Familie auch kommen könnte. Dann habe ich ja gesagt, zuerst bin ich nach Österreich gekommen und beim zweiten mal habe ich meine Frau und meine Kinder mitgenommen. 

Du hast lange Zeit nicht mehr richtig trainiert, oder? 

Ich habe 6 Jahr nicht mehr richtig trainiert. Bevor ich nach Österreich gekommen bin, habe ich Badminton eigentlich gehasst. 

Warum? 

Ardy beim Sieg der Austrian International 2010 im Doppel. Sein Partner der in Tschechien lebende Indonesier Viki Indra Okvana.

Ich habe mit 9 Jahren begonnen und ich war als Jugendspieler lange Zeit im indonesischen Jugend-Nationalteam. Der Trainer hat mich nicht gemocht, darum war ich die meiste Zeit nur Aufspieler im Training. Ich mußte im Vormittagstraining 1,5 Stunden für andere Übungen aufspielen. Wir spielten meistens zu zweit gegen einen. Ich war für den Trainer sozusagen nur eine zweitklassiger Spieler. Nach 1,5 Stunden aufspielen durfte ich dann 1 Stunde für mich trainieren. Und das obwohl ich von 13 bis 20 Jahren nicht verloren habe. 

Wie oft habt ihr trainiert? 

Wir haben täglich 3 Stunden in der Früh trainiert und am Nachmittag 2,5 Stunden. 

Wie habt ihr da trainiert? 

Die drei Stunden Frühtraining war immer Technik-Training. Immer Badminton in der Halle. Es waren so ähnliche Übungen, wie ihr sie hier in Österreich spielt. Am Nachmittag war immer Fitnesstraining. Das waren 2,5 Stunden und an jedem Tag der Woche war ein anderes Fitnesstraining am Programm. 

Wie sah dieses Fitnesstraining genau aus? 

Am Montag hatten wir zum Beispiel Lauftraining. Wir sind zum Beispiel zuerst 6 x 400 m gelaufen, dann 400 m immer mit kurzen Sprints und nachher 10 x 50 m Sprint. Dazwischen gabs immer 1 Minute Pause. Ich war besonders schlecht bei den 400m-Läufen, nach dem zweiten oder dritten Durchgang hab ich nicht mehr schnell Laufen können. Da haben mich die Frauen überholt. Ich war dafür bei den kurzen Sprints sehr schnell und so hab ich meine Bilanz dann aufgebessert. Wir hatten da so ein System mit Punkten. 

Am Dienstag hatten wir dann Schattenbadminton.  Am Mittwoch Schnurrspringen. Immer mit Doppelsprüngen das sah ungefähr so aus: 

10 x 1 Minute, dann 5 x 2 Minuten. Und zum Schluß eine Spezielle Übung mit Doppelsprüngen: 10 x 30 Sekunden immer mit Pause dazwischen. Da durfte man aber keinen Fehler machen, sonst mußte man wieder von vorne beginnen. Wenn Du zum Beispiel beim neunten Durchgang einen Fehler machtest, dann gings wieder von vorne los, also bei Durchgang Nummer Eins. Ich glaube Schnurspringen ist sehr gut für die Fitness im Badminton. Und diese Übung war dann auch noch für die Konzentration. Weil da hat man sehr aufgepasst, dass man keinen Fehler macht. 

Krafttraining haben wir natürlich auch viel gemacht. Eine andere Art von Fitnesstraining war auch das Laufen über eine Länge von zirka 3 Badmintoncourts. Wir liefen da immer hin und zurück, immer ziemlich schnell mit Pausen dazwischen. Ich glaube ihr kennt die Übungen, weil man in China ziemlich ähnlich trainiert. Ich hab das beim Training von Yan gesehen hier.  

Bundesliga gegen WBH-Wien

Die letzte Art von Fitnesstraining war dann noch Schattenbadminton im Sand. Die älteren Spieler haben das immer mit dem Squash-Racket gemacht. Das habe ich vorher vergesssen zu sagen. 

Seid ihr nie lange Distanzen gelaufen? 

Nein, wir haben das als Jugendspieler nur ganz am Anfang gemacht. Die besseren Spieler machen das praktisch nie. Ardy lacht! Ich hab das nicht gemocht, habe mir immer  Geld mitgenommen und bin einige Stationen mit dem Bus gefahren. Das T-Shirt habe ich mir nassgemacht, dass keiner merkt, dass ich nicht gelaufen bin.

Warum? 

Ich glaube, es schadet, wenn man öfter als 1 x im Monat einen langen Lauf macht. Ich glaube schon, manche trainieren das hin und wieder, aber sicher nicht öfter als 1 x im Monat. 

Hast Du oft mit Taufik Hydaiat trainiert? 

Ja, sicher. Er ist 3 Jahre älter. Er hat immer sehr hart trainiert. 

Was ist der Unterschied in Europa? 

Ich glaube, hier wird nicht hart genug trainert. 

Deine Frau hat auch Badminton gespielt? 

Ja, sie spielte auch gut. Wir waren aber damals schon beisammen und wir hatten die Wahl, dass einer von uns in die Schule geht. Das hat sie gemacht. Sie war aber auch zu faul zum training, sie mochte das harte Training überhaupt nicht.  

Warst Du eigentlich Einzelspieler oder Doppelspieler? 

Ich habe immer nur für Einzel trainiert. 

Wie hast Du vorher die Bundesliga in Österreich eingeschätzt? 

Ich habe damals nur mit Jürgen und Dharma Gunawi gesprochen und wußte nicht, wie stark die Spieler hier sind. Ich hatte lange nicht richtig trainiert, daher hatte ich anfangs  Probleme die Einzel zu gewinnen. 

Wie gefällt es Dir hier in Österreich? 

Mir hat es enorm gut gefallen. Meiner Familie auch. Ich habe hier in einer Wohnung gewohnt. Die Leute vom Trauner Verein und auch die Badmitnonspieler vom MaXX in Wien waren sehr freundlich. Wir habe viel Spass gehabt. Manuel Dornig und Manuel Grün haben mir geholfen beim Einkaufen und auch sonst. Unsere Nachbarin hier in St. Martin hat uns immer besucht. Wir haben sie immer Oma genannt, sie hat mit den Kindern gespielt und wir haben sie sehr ins Herz geschlossen. Sie konnte nicht Englisch und wir nicht Deutsch, aber unterhalten haben wir uns trotzdem. 

Wie viele Zuschauer habt ihr in Indonesien bei einem Badmintonturner? 

Bei den Finalspielen waren immer 500 – 1000 Zuschauer. Ich habe oft vor vielen Zuschauern gespielt. 

Wie hat Dir das Essen hier geschmeckt? 

Ich habe fast immer nur das gegessen, was meine Frau gekocht hat. Und wenn nicht, dann nur von Mc Donalds. Das schmeckt genauso wie bei uns daheim. 

Wann fliegst Du heim? 

Peter Zauner bringt uns morgen vormittag nach Wien am Flughafen. Wir sind insgesamt 18 Stunden unterwegs, dabei haben wir 5 Stunden Aufenthalt. Aber für die Kinder ist das kein Problem.

Name Adrianyah Putra
Alter 27
Wohnort Jakarta
Familienstand verheiratet
Verein Ganesha
Auto Honda
Lieblingsessen Indonesisch und Mc Donalds
Racket Babolat Satelite Energy
Bespannung Finebraid, 14 Kilo